Das Prinzip des
Siebdrucks ist eigentlich einfach: Die Druckfarbe wird durch ein Gewebe hindurch
auf ein Papier (oder Kunststoffe, Metalle, Textilien etc.) gedruckt. Um eine
Zeichnung zu Drucken, müssen die Maschen des Gewebes an denjenigen Stellen,
die nicht drucken sollen, mit einer speziellen Schicht verstopft werden. Die
Druckfarbe kann dann nur noch an den Stellen, welche die Zeichnung wiedergeben,
das Gewebe durchdringen.
Heute werden zum Drucken Kunststoffgewebe aus Polyester eingesetzt. Die Gewebe
sind in verschiedenen Feinheiten erhältlich - von ca. 10 Fäden pro
Zentimeter bis 200 Fäden pro Zentimeter. Bei einem Gewebe mit einer geringen
Feinheit - beispielsweise 30 Fäden pro Zentimeter - sind die Fäden
relativ dick, die Maschenöffnungen gross. Das bedeutet, dass relativ
viel Farbe durch das Gewebe hindurch gedruckt werden kann. Dieser hohe Farbauftrag
ist zum Beispiel im Textildruck erwünscht. Wegen der geringen Gewebefeinheit
können allerdings keine dünnen Linien oder feine Raster gedruckt
werden.
Bei einem Gewebe mit hoher Feinheit - beispielsweise 150 Fäden pro Zentimeter
- ist es genau umgekehrt: Der Farbauftrag ist gering, dafür können
dünne Linien oder relativ feine Raster gedruckt werden, weil sich die
Schablone sehr gut im feinen Gewebe verankern kann. Es ist sehr wichtig zu
wissen, dass im Siebdruck der Farbauftrag je nach Druckarbeit variiert werden
kann. Es kann also auch mit deckender Farbe auf dunkles Material gedruckt
werden.
Das Gewebe wird mit hoher Spannung auf einen Metallrahmen geklebt. Die Schablone
wird heute auf fotografischem Weg auf das Gewebe gebracht. Dazu wird mit einer
Rinne eine dünne Schicht einer lichtempfindlichen Paste ("Schicht")
auf beide Seiten des Gewebes aufgetragen - die Maschen sind nun verstopft.
Nach dem Trocknen der Schicht wird ein transparenter Film, auf dem sich gut
deckend die Zeichnung befindet, auf das Sieb gelegt. Nun wird mit einer sehr
starken Lichtquelle das Sieb belichtet.
Die deckende Zeichnung schützt die lichtempfindliche Schicht vor der
Lichteinwirkung. Die belichteten Stellen des Siebes werden wasserfest. Die
nicht belichteten Stellen, die sich lichtgeschützt unter der Zeichnung
befinden, können hingegen mit Wasser wieder weg gewaschen werden. Die
Maschen des Gewebes sind dort jetzt wieder offen.
Durch die offenen Stellen des Siebes kann jetzt mit einer Gummirakel Farbe
hindurch gedruckt werden. Es gibt sehr viele verschiedene Farbsorten, die
je auf einem bestimmten Material einwandfrei haften können (Farben für
Papier und Karton, für viele Kunststoffmaterialien, Metalle, Glas, Textilien
etc.). Glänzende Farben können mattiert werden. Es sind zum Teil
sogar lasierende (durchscheinende) oder hoch deckende Farben erhältlich.
Zudem sind im Siebdruck spezielle Effektfarben sehr gut verdruckbar, beispielweise
Grobsilber, Nachleuchtfarben, Perlglanzfarben, Strom leitende Farben, Rubbelfarben,
parfümierte Farben und viele Andere mehr.
Je nach Einsatzgebiet der Drucke können Siebdruckfarben verwendet werden,
die witterungsbeständig, benzinfest, waschecht etc. sind.
Lösemittelhaltige Siebdruckfarben sind nicht druckfertig, sie müssen
vor dem Gebrauch noch verdünnt werden. Je nach Art des Druckbildes (dünne
Linien, Flächen, Raster etc.) kann der Farbe ein schnell oder ein langsam
verdunstendes Lösemittel bei gegeben werden. Mit einem Verdickungsmittel
kann die Farbe gel-artig eingestellt werden. Die richtige Farbverdünnung
ist Erfahrungssache des Siebdruckers.
Gedruckt wird heute meistens mit automatischen Maschinen, bei kleinen Auflagen
manchmal auch von Hand. Im Vergleich zu den anderen Druckverfahren ist die
Druckgeschwindigkeit nicht sehr schnell, das Siebdruckverfahren ist also für
hohe Auflagen weniger geeignet.
Das Verfahren ist sehr vielseitig. Es können kleine Gegenstände
(z.B. Werbegeschenke) bis hin zum grossflächigen Plakat bedruckt werden.
Der variierbare Farbauftrag, die grosse Anzahl von Farbsorten und die Möglichkeit,
auch dickere, grosse oder geformte Materialien zu bedrucken, ergeben den Vorteil
des Siebdrucks im Vergleich zu den anderen Druckverfahren. Das Siebdruckverfahren
stellt also eine Ergänzung zu den anderen Druckverfahren dar, eine Art
"Beschichtungstechnik mit Druckfarbe".
Typische Druckbeispiele sind: Selbstklebefolien, T-Shirts, Plakate, Schilder,
Gerätegehäuse, Compact-Discs, Keramik- und Glasgeschirr, Folientastaturen,
elektrisch leitende oder magnetisierbare Druckpasten für elektronisch
lesbare Karten, Computerplatinen, Kunstdrucke (Serigrafien), Werbeplanen,
Kunststoffflaschen, Drucke mit Lebensmittelfarben auf Schokolade oder Gebäck,
Kreditkarten, Keramikfliesen, Textildrucke auf Meterware (Bettwäsche,
Bekleidungstextilien etc.), Werbegeschenke (Feuerzeuge etc.), Flachgläser
(Spielautomaten, Automobilscheiben, Möbel etc.), Sicherheitsfarben auf
Wertpapiere, Drucke auf Stein- und Holzplatten, Etiketten und vieles Andere
mehr.