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Die Schablone war
- nebst dem Stempel - während langer Zeit sicher das einfachste Werkzeug,
um ein Motiv zu vervielfältigen. Im Mittelalter wurden beispielsweise
in Europa sehr oft Spielkarten oder auch Bücher mit Hilfe von Schablonen
koloriert. Die Konturen des Bildes wurden im Holzschnitt vorgedruckt und danach
das Bild mit den Schablonen koloriert. Die Schablonen bestanden aus Papier,
das mit Leinöl oder einem Pflanzenharz imprägniert wurde. Die Farben
wurden mit einem Pinsel aufgetragen.
Auch in Japan und China war das Schablonieren eine wichtige Drucktechnik.
Berühmt sind die Schablonendrucke in den Mogaohöhlen bei Tunhuang,
Westchina, 9. Jh. In Japan wurden seit dem späten Mittelalter Textilien
mit Hilfe von Schablonen dekoriert.
Seit dem Mittelalter war das Schablonieren in Europa eine zunehmend wichtige
Technik, um Räume und Gebäudefassaden zu dekorieren. Auch Buntpapiere
wurden mit Schablonen bedruckt. Diese Papiere waren eine Art Vorläufer
der Wandtapete. Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Schablonentechnik die billigste
Art des Farbdrucks.
Im 19. Jahrhundert wurden offene Schablonen zum Beschriften von Strassen-,
Haus-, Firmen- und Werbeschildern verwendet - vor allem in den USA. Auch Möbel,
Textilien oder z.B. Schuhe wurden auf diese Art bedruckt. Im 19. Jahrhundert
und bis in die dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein wurden mit Schablonen
Räume und Möbel dekoriert (Jugendstil). Diese Entwicklung wird von
Jessie Bane Stephenson ("From Old Stencils to Silk Screening", Verlag
Charles Scribner, London 1953) und von Henrike Müller ("Schablonen",
DuMont, Köln, 1994) beschrieben.
Auch im Bereich des Textilducks gewann das Schablonieren seit dem Ende des
19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Gegenüber dem Druck mit geschnitzten
Druckmodeln (Hochdruck) setzte sich der Siebdruck - als ursprünglich
qualitativ schlechteres aber dafür billigeres Verfahren - nach dem Zweiten
Weltkrieg dann endgültig durch. Noch bis in die 40er-Jahre wurden Modeldruck
und Siebdruck - je nach technischen Vorteilen - teilweise miteinander kombiniert
(Aussage von Dr. Kindlimann, Textildruckfachmann, Glarus).
Bis zum Zweiten Weltkrieg waren Emailschilder und -plakate ein sehr beliebter
Werbeträger. Sie fanden derart Verbreitung, dass man teilweise von einer
"Blechpest" sprach. Bei der Herstellung der Emailplakate war das
Schablonieren - nebst dem Bemalen von Hand - eine äusserst wichtige Technik.
Dabei wurden offene Blechschablonen eingesetzt, bei denen frei stehende Teile
- z.B. der Innenteil eines "O" - mit Stegen festgehalten wurden.
In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dann dafür auch das Siebdruckverfahren
eingesetzt. Die frei stehenden Schablonenteile konnten nun auf einem Gewebe
befestigt werden - die nicht druckenden Stege wurden dadurch nicht mehr benötigt.
Die Emailplakate wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Papierplakaten
und von der Leuchtwerbung abgelöst.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden vor allem in den USA Versuche unternommen,
das Problem der nicht druckenden Schablonenstege, welche frei stehende Innenteile
befestigten, zu beheben. Es wurde vorgeschlagen, die Innenteile mit dünnen
Drähten oder mit überstehenden Bügeln zu fixieren, damit das
Druckbild vollständig mit Farbe ausgefüllt werden konnte. Danach
kamen erste Ideen, die Schablone auf einem Netz aus Drähten zu befestigen.
Feinmaschige Seidengaze ermögliche es dann erstmals, auch kleine Schablonenteile
auf einem Gewebe zu fixieren.
Seit ca. 1880 wurden in den USA und in England Vervielfältigungsgeräte
für den Büro-Bereich entwickelt. Die mit einer Schreibmaschine beschriebene
Matrize wurde in speziellen Druckgeräten auf eine Seidengaze übertragen.
Die Druckfarbe wurde mit einem Roller durch die offenen Stellen der Schablone
auf das Papier übertragen. Wie weit die Entwicklung dieser Vervielfältigungsgeräte einen Einfluss auf die Entstehungsgeschichte des Siebdrucks hatte, ist bis heute nicht genau bekannt.
Der heute bekannte Siebdruck entstand vor allem in den USA. Von dort verbreitete
sich das Verfahren über England nach Kontinentaleuropa. Seit den 20er-Jahren
des 20. Jahrhunderts wurde das Siebdruckverfahren technisch immer weiter entwickelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Seidengaze durch Kunststoffgewebe ersetzt
(Polyamid, Polyester), was die Druckqualität entscheidend verbesserte.
Neue Druckfarben, Schablonenmaterialien und schnell laufende Druckmaschinen
verhalfen dem Verfahren in der grafischen Industrie zum Durchbruch.




