Im Gegensatz zu den USA fehlen in England konkrete Hinweise auf eine erste Entwicklung des Siebdruckverfahrens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar deuten die Patenteingaben des Angloamerikaners Deeks von 1903, des Franzosen Raymond im Jahre 1906 und von Simon, 1907, darauf hin, dass das Verfahrensprinzip durchaus bekannt war. Raymond beschrieb sogar detailliert die fotografische Schablonenherstellung. Wie bei allen Patenteingaben zu den Schablonentechniken des späten 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts bleibt aber auch hier unklar, ob diese einen direkten Impuls gaben, der dann zur Entwicklung des Siebdruckverfahrens führte.
Im Dezember 1917 platzierte Sidney James Waters in England ein Patent zur Schablonenherstellung. Das Patent wurde 1919 auch in der Schweiz eingereicht. Waters war Luftfahrtingenieur und wurde auch als Hauptmann der Royal Airforce erwähnt. So nannten denn auch erste Hinweise in der Fachliteratur die Royal Airforce, die "vor dem Ersten Weltkrieg" das Siebdruckverfahren in England angewendet haben soll. Bei diesen Hinweisen bleibt jedoch unklar, ob sie historischen Tatsachen entsprechen - Waters "Siebdruckverfahren" betraf eine fotografisch hergestellte Matrize, die zur Vervielfältigung von Texten und Zeichnungen im Büro-Bereich dienen sollte.
Bei Waters Schablone handelte es sich um einen Indirektfilm, der nach dem Belichten und Entwickeln auf Yoshinopapier, Batist oder Seide übertragen wurde. Die Schablone war für die Anwendung in den Stencil-Duplicators gedacht. Es wurde erwähnt, dass die Rechte zum Verfahren schliesslich an die Firma Gestetner - Herstellerin solcher Stencil-Duplicators - übergingen. Gestetner ihrerseits soll die Rechte zum Verfahren dann an die Firma Autotype, London, weiter gegeben haben. Autotype war ein bedeutender Hersteller von mit Gelatine lichtempfindlich beschichteten Papieren ("Pigmentpapiere") zur fotografischen Herstellung von Tiefdruckzylindern.
Autotype brachte tatsächlich die ersten Indirektfilme für den Siebdruck auf den Markt. Autotype nennt hier die frühen 1930er Jahre. Sowohl in englischen wie amerikanischen Fachbüchern der 1930er Jahre wurde ausschliesslich Autotype als Herstellerin dieser Indirektfilme genannt. In den USA sprach man dabei von der „Englischen Methode“ zu Schablonenherstellung. Erst später gelangten auch amerikanische Firmen, wie McGraw Colorgraph oder Ulano, mit vergleichbaren Indirektfilmen auf den Markt.
Die ersten Hinweise, welche die Entstehung des heutigen Siebdrucks in England betreffen, nannten das Jahr 1923 mit der Gründung der Firma Selectasine in London. Sie würdigten dabei Oberstleutnant Mark Mayhew als Pionier des englischen Siebdrucks.


