Mayhew schilderte die Entwicklung rückblickend und erwähnte die mit grosser Mühe verbundene Einführung des Siebdrucks in England. Noch um 1925 rätselte Selectasine London (Abb. oben), wie man Firmen der  englischen Display-Branche (Abb. 1) dazu veranlassen könne, überhaupt vom Siebdruckverfahren Notiz zu nehmen. Seit diesen mühseligen Anfängen seien jedoch grosse Fortschritte gemacht worden - es wurden viele Firmen als neue Kunden hinzu gewonnen. Dennoch erwähnte Mayhew noch Mitte der 1930er Jahre, dass in den USA allein sechs bedeutende Lizenznehmer grösser seien, als alle Lizenznehmer Englands zusammen.

Gründe dafür, dass sich das Siebdruckverfahren in den USA viel schneller entwickelte als in England, lagen in der vergleichsweise unkomplizierten Mentalität der Amerikaner. Die vielen Fachartikel in den USA gaben dem amerikanischen Siebdrucker eine breite Information zu Techniken und Materialien des Verfahrens, was in England und Kontinentaleuropa nicht der Fall war. Eine englische Fachzeitschrift meinte dazu: "Die britische Einstellung neigt zu persönlicher Zurückhaltung und Bewahrung von Geschäftsgeheimnissen."

1934 wurde die "Association of Silk Screen Printers and Display Producers" gegründet, eine Vereinigung der damals wichtigsten Firmen des Siebdruckgewerbes. Die Vereinigung hatte hauptsächlich das Ziel, dem damaligen Preiskampf innerhalb des "Display Business" entgegen zu wirken. Eine der bedeutendsten englischen Pionierfirmen war Displaycraft in London (Abb. 1). Das Siebdruckverfahren wurde in England oft zum Druck von Plakaten eingesetzt (Abb. 2) - teilweise für Touristikplakate.

1935 wurde das Siebdruckverfahren in England erstmals an einer Kunstgewerbeschule in London unterrichtet. Die Studenten wurden in der Schablonenherstellung (Schneideschablonen und Fotoschablonen) und im mehrfarbigen Drucken unterrichtet. Dazu erwarb die Schule eine komplette Siebdruckeinrichtung.

Die Verbreitung des Siebdruckverfahrens von England nach Kontinentaleuropa erfolgte 1926, als sich Schweizer Seidengazefabrikanten für die Einführung des Verfahrens auf dem Kontinent interessierten und dazu mit Selectasine London Kontakt aufnahmen. Die Seidengazefabrikanten wussten durch ihre Exporte der Gaze um die Verbreitung des Siebdruckverfahrens in den USA. Das Ziel war es, die Verkäufe ihrer Seidengaze im neuen Absatzmarkt der "Stencil-Industrie" zu erhöhen.

 

 

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