Aus einem Begleittext zur Ausstellung "Katazome", Ortsmuseum Stäfa, Schweiz, 2003:
"Kata" bedeutet auf Japanisch Schablone und "zome" ist eine Verbform von someru und meint färben. Bei Katazome (kah-tah-zoh-meh) handelt es sich um Papierschablonen, die zur traditionellen japanischen Färbetechnik von Textilien dienten. Seide, Brokat und andere teure Gewebe waren den reichen Leuten vorbehalten. Für weniger "Betuchte" und für Alltagskleider diente und dient die günstigere Baumwolle. Das Bedürfnis in allen Volksschichten, sich zu schmücken, führte dazu, dass Baumwollstoffe früher wie heute gefärbt und verziert werden. Die Katazome-Technik war in Japan ab Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert sehr verbreitet.

Das Schneiden der Schablonen mit speziellen Messern erforderte höchstes handwerkliches Geschick ... Das Schneiden einer besonders reich dekorierten Schablone beanspruchte bis zu drei Monate. Eine solche Schablone konnte bis zu 50mal verwendet werden. Sie wurde aber auch exklusiv nur für die Herstellung eines einzigen Kimonos verwendet und danach zerstört.

Jede Schablone verfügte über Rapportpunkte, so dass das Muster fortlaufend gedruckt werden konnte. Um die Motive der Schablone auf den Stoff zu übertragen, wurde eine Paste aus Maisstärke, Weizenmehl und Reismehl hergestellt. Diese Mischung wurde mit etwas Alaun in Wasser aufgelöst. Die Paste sollte die Konsistenz von Honig haben. Sie erfüllte beim Aufdrucken den gleichen Zweck wie der Wachs bei der Batik: Diejenigen Stoffstellen mit Paste bzw. Wachs nahmen beim Färben keine Farbe auf, blieben also hell. Bei kostbaren Schablonen wurde die Paste mit feinen Bürsten aufgetragen und der Stoff danach in ein Farbbad getaucht. Auch mehrfarbige Muster mit mehreren Schablonen und Farbgängen waren möglich, aber entsprechend aufwändig.

Die Katazome genossen in Japan kein grosses Ansehen und wurden im Land selber bis vor kurzem nicht gesammelt. Anders verhält es sich in Europa und Amerika. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit des Jugendstils gelangten viele Katazome nach Europa und Amerika (unter Anderem über die damaligen Weltausstellungen). Um 1890 erschienen erste westliche Publikationen über Katazome. Die japanische Bildsprache muss damals im westlichen Kulturkreis eine besondere Faszination ausgeübt haben. 1910 veranstaltete das Museum of Fine Art, Boston, eine Ausstellung zum Thema. Die Textilbibliothek St. Gallen, Schweiz, besitzt eine Sammlung von 450 solcher Schablonen".

Justus Brickmann: "Japanische Färberschablonen", Aarau, 1892:
"Den Grundstoff der Schablonen bildet gewöhnliches Papier von jener unvergleichlich festen Sorte, welche die Japaner aus verfilzten, langfasrigen Naturstoffen - des Maulbeerbaumes und anderer Pflanzen - darzustellen wissen, und zwar lassen viele Schablonen erkennen, dass man einfach schon beschriebene Bogen alten Schreibpapiers aufeinander geklebt hat. Diese Bogen werden durch Tränkung oder Anstrich mit einer Flüssigkeit, ähnlich derjenigen, deren man sich zur Herstellung der Lederpapiere bedient, wasserfest gemacht.

Hierauf schneidet man das gewünschte Muster mit einem scharfen Messer aus oder schlägt es mit kleinen, kreisrunde Löcher aushebenden Punzen über einer nachgiebigen Unterlage ein. Bei einfachen Streumustern geschieht dies offenbar freihändig: der Schablonenschneider weiss die gute Füllung des Grundes und die Vertheilung der Muster aus eigenem Geschmack zu finden. Bei schwierigeren Vorwürfen entwirft er vorher selbst, oder der Maler, welcher seine Arbeit leitet, mit leichtem Pinsel die Hauptzüge des Musters auf dem Schablonenbogen und geht den Linien mit dem Messer nach; die erstaunliche Sicherheit des Schnittes, der freie Schwung der Umrisse, welche in nichts an das Nachziehen einer Vorzeichnung mehr erinnern, lassen erkennen, dass der Schablonenschneider ein handfertiger Maler sein muss, auch wenn er seine Muster nicht selbst erfindet.

Damit die Schablone beim Gebrauch nicht auseinanderfalle, ist man zu gewissen Beschränkungen in der Auswahl der Muster genöthigt. Am einfachsten wird diesem Zwange Rechnung getragen, wenn das Muster keine zusammenhängenden Linien aufweist, sondern ausschliesslich aus Reihen dichgedrängter Punkte von verschiedener Grösse gebildet wird. Die Muster dieser Art zeigen eine stilistische Verwandtschaft mit denjenigen, welche in unserer Kattundruckerei mittels der durch das Einschlagen von Messingstiften in eine Holzplatte gewonnenen Druckmodel hergestellt werden. Ohne unklar zu werden, lassen sich grössere Motive auf diesem Wege nicht ausführen ...

Eine grössere Freiheit schafft sich der Schablonenschneider, wenn er die ausgeschnittenen Linien durch stehengelassene Stege unterbricht, welche hinreichen, die von diesen Linien umgrenzten Flächen innerhalb der Grundfläche festzuhalten, ohne die Wirkung der Zeichnung als einer in sich zusammenhängenden zu beeinträchtigen.

Vollends frei von dem seinen künstlerischen Gedankenflug hemmenden Schablonenstil macht sich der Schablonenschneider, indem er ungezwirnte Seidenfäden, so wie sie eine der grossen japanischen Seidenraupe spinnt, zu Hülfe nimmt. Mit diesen kaum sichtbaren Fäden gibt er dem gefährdeten Theile einer Schablone Halt, indem er sie einnäht, so dass lose oder nur an einem Stile hängende Theile ohne Papierstege in einem Ausschnitt des Grundes hängen".

Andrew W. Tuer: "The book of delightful and strange designs being 100 facsimile illustrations of the art of the Japanese stencil-cutter", London, 1893:
"Wie sind nun die Fäden in das Papier hineingekommen? Das ist eine nicht so leicht zu beantwortende Frage ... Das Räthsel schien unlösbar, bis man auf dem freien Rande der Schablonen zwei ganz feine, sich parallel gegenüberstehende Marken gewahrte an den Stellen, wo die Fäden durch die Zeichnung liefen, und daran ihre Lage innerhalb des Papiers erkannte. Dass sie indess mit einer Nadel dahingebracht seien, erschien unmöglich, und man musste deshalb zu dem Schlusse, das Papier sei doppelt, gelangen ... Schliesslich ist es uns jedoch mit einiger Mühe gelungen, das Papier einer Schablone zu theilen, und da haben wir denn richtig die Fäden sauber darein gebettet gefunden ...

Die nachfolgende Erklärung wird nur dann glaublich erscheinen, wenn man sich die ausserordentliche Fingerfertigkeit der Japaner stets vor Augen hält. Der Künstler nimmt ein halbes Dutzend Blätter eines zähen aus der Fiber des Maulbeerbaums gemachten Papiers, das vorher mit dem Safte von Thränengras behandelt und mit einem langsam trocknenden Oel wasserdicht gemacht worden ist. Auf den obersten Bogen macht er seine Zeichnung mit Tinte, befestigt dann das Papier, so dass kein Blatt sich verrücken kann, und schneidet jetzt mit einem feinen Messer, dessen er sich in der Art bedient, wie unsere Kupferstecher den Grabstichel führen, d. h. er zieht es nicht, sondern schiebt es vor sich her ...

Ist das Ausschneiden beendet, so werden zwei der Bogen angefeuchtet, damit sie sich gleichmässig ausdehnen, und - was wichtig ist - beim Trocknen auch wieder gleichmässig eingehen mögen. Einer der Bogen wird jetzt flach hingelegt und mit Klebstoff bestrichen, und auf diesen kommen nun die Fäden in der gewünschten Lage, während ihre Enden auf dem Papierrand befestigt werden. Alsdann wird der zweite Schablonenbogen ganz genau auf den ersten gelegt, was mit Hilfe der bereits erwähnten "Registerlöcher", von Buchdruckern "Punkturen" genannt, erreicht wird, und wodurch man auch zugleich die Fäden festhält. Das Uebereinanderkleben der beiden, die Fäden sichernden Papierausschnitte ist so durchaus vollkommen, dass man selbst mit einem starken Vergrösserungsglase keinerlei Unebenheiten oder ein Hervorragen des einen über den anderen entdecken kann. Dass jedoch irgend ein anderer Mensch als ein Japaner solch schwierige Arbeit auszuführen vermöge, erscheint einfach undenkbar ...

Der japanische Schablonirer weiss mit ein und derselben Tafel zweierlei Wirkung zu erzielen: ein Farbendruck, für welchen Indigoblau vielfach angewandt wird, auf weissen Grund, oder ein weisser Druck auf farbigen Grund. Der erste wird durch directen Druck erzeugt, zum letzteren aber wird ein Farbstoff oder eine Maske benutzt, die man "Widerstand" nennt und von welcher Reiskleister den Hauptbestandteil bildet. Hat man damit auf irgend einen Stoff bedruckt, so wird dieser in eine Farbbütte getunkt, worauf man, wenn er gehörig Farbe angenommen hat, den "Widerstand" herauswäscht ...

Eine Bevölkerung von so etwas wie einundvierzig Millionen braucht ein gut Theil Bekleidungsstoffe ... In einer Abhandlung über japanisches Leben und die Kunst der Japaner beschreibt Mrs. Ernest Hart die Kleidung der japanischen Frauen; dieselbe bestehe, sagt sie, hauptsächlich aus einem langen und losen Gewande mit weiten offenen Aermeln, das man Kimono nenne ... Die japanische Frau hält ungemein viel auf einen schönen Kimono, der selbst in billigstem Stoff, Baumwolle oder Crepe, mit den wechselvollsten Zeichnungen schablonirt ist, wobei sich die reiche Phantasie des Künstlers ersichtlich ein Genüge gethan hat. Mrs. Hart sagt, dass "jeder Kattundrucker in England, der die heimischen Verfahrungsarten gewöhnt ist, sich über die kunstvollen Zeichnungen wundern wird, mit denen er hier selbst die billigsten Stoffe bedruckt sieht ... die Zahl der Farben und Nüancen lassen ihn sofort erkennen, dass sie nicht mit Druckstöcken oder Walzen hergestellt sein können".

Professor Anderson sagt uns in seiner werthvollen und gelehrten Monographie über die "Zeichnenden Künste in Japan", dass die Einführung der Schablonen in Japan einem Färber, namens Someya Yuzen, zugeschrieben wird, der in der letzten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts lebte, sowie dass seit jener Zeit das Schabloniren allgemein zur Verzierung japanischer Webstoffe angewendet worden ist".




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