duplicator

Vervielfältigungsgeräte, bei denen die Druckform aus einer Wachsmatrize bestand, wurden bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts häufig im Bürobereich eingesetzt. Sie ermöglichten es, ohne grossen technischen Aufwand mehrere Tausend Kopien von Texten oder einfachen Zeichnungen herzustellen. Diese "Stencil-Duplicators" wurden später von den heute bekannten Fotokopiergeräten abgelöst. W. B. Proudfoot beschreibt in seinem Buch "The Origin of Stencil Duplicating" (Hutchinson-Verlag, London, 1972) die Entstehung und Entwicklung dieses Kopierverfahrens. Einen sehr schönen Einblick in diese Verfahren gibt auch die Internetseite http://www.officemuseum.com/.

Druckform
Als Druckform diente ein grobfasriges Japanpapier, auf dem sich eine Wachsschicht befand. Das Papier wurde in eine normale Schreibmaschine eingespannt und anschliessend der Text geschrieben. Beim Schreiben durchdrangen die metallenen Buchstaben die Wachsschicht bis auf das Trägerpapier. Die so vom Wachs befreiten Stellen waren nun farbdurchlässig. Die Matrize wurde danach in einem speziellen Druckgerät auf eine Seidengaze befestigt und gedruckt. Es wurden auch fotografische Techniken zur Herstellung der Matrize patentiert. W. B. Proudfoot erwähnt diese Technik aber nicht in seinem Buch. Offenbar konnte sich die fotografische Herstellung der Matrize kaum durchsetzen, da sie eine Belichtungseinrichtung und einen chemischen Prozess erforderte. Der Erfolg des Wachsmatrizendrucks lag ja in seiner Einfachheit.

Mögliche Zusammenhänge zum Siebdruckverfahren
Die einfachen Druckgeräte, die ab ca. 1890 gebaut wurden, weisen eine verblüffende Aehnlichkeit mit den ab ca. 1920 verwenden Siebdrucktischen auf 2. Es waren Flachbett-Druckgeräte (die Druckplatte war flach), der Rahmen mit der Wachsschablone war scharnierartig auf- und zuklappbar.

Ob diese "Stencil-Duplicators" die Entstehung des Siebdrucks mit beeinflusst haben, ist nicht auszuschliessen, kann aber auch nicht nachgewiesen werden. Elinor Noteboom beschreibt in ihrem Artikel 1992 eine mögliche Entwicklung der Erfindung von Charles Nelson Jones hin zum späteren Siebdruck (siehe Link "Entstehung in den USA" > "Einführung").

Sicher war das Verfahren auch den Siebdruckpionieren bekannt (siehe Abb. oben). Obwohl zwischen beiden Verfahren teilweise grosse Aehnlichkeiten bestanden (Seidengaze als Träger der Schablone, aufklappbare Drucktische), so gab es aber wesentliche Unterschiede in der Anwendung: Während die "Duplicators" zum Vervielfältigen von Textdokumenten entwickelt wurden, so liegen die Ursprünge des Siebdrucks im Bereich der Schilderherstellung (und des Textildrucks). Das Siebdruckverfahren ermöglichte es, auch grossformatig und mehrfarbig auf verschiedenste Materialien zu Drucken. Zudem konnten die Schablonen auch fotografisch hergestellt werden. Dies war mit den "Stencil-Duplicators" nicht oder nur schlecht möglich. F. A. Baker beschreibt in seinem Buch "Silk Screen Practice and the Roller Process" (Blandford Press, London, 1934, ab Seite 120) die unterschiedliche Anwendung der beiden Verfahren. Baker bemerkt, dass sich die beiden Verfahren nicht konkurieren. Als Nachteile des Siebdrucks erwähnt er den hohen Farbverbrauch und die teuren Seidengewebe.

Ursprünge
Die Ursprünge dieses Verfahrens gehen auf das Jahr 1872 zurück. Damals entwickelte Eugenio de Zuccato - ein nach London ausgewanderter Italiener - ein Schablonendruckverfahren auf der Basis eines grobporigen, farbdurchlässigen Papiers zum Vervielfältigen von handschriftlichen Doku-menten. Er nannte sein Druckgerät "Papyrograph". Zur gleichen Zeit entwickelte der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison ebenfalls ein ähnliches Vervielfältigungsverfahren. Die Technik von Edison bestand allerdings darin, mit einem Stift, an dem sich eine Nadel befand, im Sinne einer Zeichnung ein Blatt Papier zu Perforieren. Die Nadel wurde dazu durch einen kleinen Elektromotor in eine schnelle Auf- und Ab-Bewegung gebracht. Zum Vervielfältigen wurde mit einem Roller Druckfarbe durch die perforierten Stellen des Papiers gepresst. Edison verkaufte seine Erfindung später an A. B. Dick, der dann ein eigenes Wachsmatrizen-Verfahren entwickelte.

David Gestetner
Ab 1885 patentierte David Gestetner 4 weitere Techniken zu diesem Kopierverfahren. Gestetner wurde 1854 in Ungarn geboren und wanderte später nach England aus. Ein erstes Patent beschrieb ein mit Wachs beschichtetes Japanpapier, das als Druckform diente. Das Papier bestand aus Bambus- oder Gampifasern. Diese langen, dünnen und starken Fasern ergaben ein grobporiges Papier mit gutem Farbdurchlass. Solche Wachsmatrizen wurden bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Mit einem speziellen Stift wurde der Text von Hand in die Wachsschicht eingeritzt, was die Matritze an den betroffenen Stellen farbdurchlässig machte. Mit diesen Schablonen konnten bis zu 2000 Drucke angefertigt werden.

In den späten 1880er-Jahren begann sich im Bürobereich die Typenhebel-Schreibmaschine durch zu setzen. Die Schreibmaschine eignete sich hervorragend dazu, Texte in die Wachsmatrizen zu schreiben. Die bisherigen Wachsmatrizen waren aber wenig geeignet für diese neue Technik. Gestetner fand nun im sehr offenporigen Yoshino-Papier aus Japan einen geeigneten Schablonen-träger für die Schreibmaschine. Gestetner nannte sein Vervielfältigungsverfahren "Cyclostyle". Er war der Erste, der neben einfachen Handdruckgeräten auch elektrisch betriebene, schnell laufende Druckmaschinen baute.

A. B. Dick
Albert Blake Dick entwickelte 1897 in Chicaco ebenfalls ein Wachsmatrizen-Vervielfältigungs-verfahren, das er "Mimeograph" nannte 3. Dick wurde zum wichtigsten Konkurenten von Gestetner. Die Firma expandierte später im Bau von Kleinoffsetmaschinen.

Risograph 5
Intressanterweise wird seit Mitte der 90er-Jahre 20. Jh. wieder ein ähnliches Verfahren wie die alten "Stencil-Duplicators" angeboten - in Konkurrenz zum Fotokopiergerät. Das Verfahren trägt den Markennamen "Risographie". Auch hier wird als Druckform ein beschichtetes gewebeähnliches Material (aus Fasern der Bananenstaudenpflanze) verwendet. Das Gerät ist in eine moderne Computerumgebung eingebettet. Nach dem Einscannen der Vorlage werden die Daten direkt im Risograph-Druckgerät auf die Druckform übertragen. Dabei werden mittels Thermoelementen winzige Löcher in die so genannte Masterfolie gebrannt (Auflösung: 600 dpi). Beim Rotieren der Drucktrommel wird durch die Zentrifugalkraft die Farbe nach aussen zunächst durch die Siebwände der Trommel und dann durch die eingebrannten Löcher der Masterfolie auf das Papier gepresst. Die Druckgeschwindigkeit ist sehr hoch - maximal ca. 8000 Exemplare in der Stunde. Die Druckqualität entspricht derjenigen einer Fotokopie, allerdings bei geringerem Stückpreis. Die Risographie - eine japanische Entwicklung - wird auch als "digitaler Schablonendruck" bezeichnet.





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