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Schablonen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Der Begriff "Offene Schablone” bezeichnet eine aus Papier oder Blech hergestellte Schablone, deren Teile beim Schneiden durch stehen gelassene Stege miteinander verbunden sind, so wie man es heute zum Beispiel noch bei der Beschriftung von Strassenmarkierungen, Eisenbahnwagons oder Kisten sieht. Schablonen, deren Teile mit Hilfe eines Gewebes fixiert werden, bezeichnet man hingegen als „Gebundene Schablone”. Zu dieser zweiten Gruppe gehört die Siebdruckschablone.

Schablonieren mit "Offenen Schablonen”
In der Fachliteratur wird häufig erwähnt, dass es sich beim Siebdruck um das älteste aller Druckverfahren handle, da der Gebrauch von Schablonen in allen Kulturen seit vielen Jahrhunderten belegt ist. Tatsächlich wurden seit dem Mittelalter in Europa mit Hilfe von Papier- oder Blechschablonen Spielkarten, Textilien, Wände, Möbel etc. dekoriert und im 19. Jahrhundert dann auch Beschriftungen von Firmen- und Werbeschildern.

Besonders in Japan gelangte die Technik seit dem Mittelalter zur Hochblüte. Justus Brickmann schreibt dazu 1892 in "Japanische Färberschablonen”: "Den Grundstoff der Schablonen bildet gewöhnliches Papier von jener unvergleichlich festen Sorte, welche die Japaner aus verfilzten, langfasrigen Naturstoffen – des Maulbeerbaumes und anderer Pflanzen – darzustellen wissen ... Diese Bogen werden durch Tränkung oder Anstrich mit einer Flüssigkeit, ähnlich derjenigen, deren man sich zur Herstellung der Lederpapiere bedient, wasserfest gemacht.

Hierauf schneidet man das gewünschte Muster mit einem scharfen Messer aus oder schlägt es mit kleinen, kreisrunde Löcher aushebenden Punzen über einer nachgiebigen Unterlage ein. Bei einfachen Streumustern geschieht dies offenbar freihändig ... Damit die Schablone beim Gebrauch nicht auseinanderfalle, ist man zu gewissen Beschränkungen in der Auswahl der Muster genöthigt. Am einfachsten wird diesem Zwange Rechnung getragen, wenn das Muster keine zusammenhängenden Linien aufweist, sondern ausschliesslich aus Reihen dichgedrängter Punkte von verschiedener Grösse gebildet wird ... Eine grössere Freiheit schafft sich der Schablonenschneider, wenn er die ausgeschnittenen Linien durch stehengelassene Stege unterbricht, welche hinreichen, die von diesen Linien umgrenzten Flächen innerhalb der Grundfläche festzuhalten, ohne die Wirkung der Zeichnung als einer in sich zusammenhängenden zu beeinträchtigen.

Vollends frei von dem seinen künstlerischen Gedankenflug hemmenden Schablonenstil macht sich der Schablonenschneider, indem er ungezwirnte Seidenfäden, so wie sie eine der grossen japanischen Seidenraupe spinnt, zu Hülfe nimmt. Mit diesen kaum sichtbaren Fäden gibt er dem gefährdeten Theile einer Schablone Halt, indem er sie einnäht, so dass lose oder nur an einem Stile hängende Theile ohne Papierstege in einem Ausschnitt des Grundes hängen”.

Andrew W. Tuer schreibt 1893: „Der japanische Schablonirer weiss mit ein und derselben Tafel zweierlei Wirkung zu erzielen: ein Farbendruck, für welchen Indigoblau vielfach angewandt wird, auf weissen Grund, oder ein weisser Druck auf farbigen Grund. Der erste wird durch directen Druck erzeugt, zum letzteren aber wird ein Farbstoff oder eine Maske benutzt, die man „Widerstand“ nennt und von welcher Reiskleister den Hauptbestandteil bildet. Hat man damit auf irgend einen Stoff bedruckt, so wird dieser in eine Farbbütte getunkt, worauf man, wenn er gehörig Farbe angenommen hat, den „Widerstand“ herauswäscht ...“.

Ob die japanische Schablonentechnik, so faszinierend diese künstlerische Technik auch ist, einen direkten Einfluss auf die Entstehung des Siebdruckverfahrens hatte, ist nicht belegt. Den Siebdruck als das „älteste Druckverfahren” zu bezeichnen, dürfte daher falsch sein. Vielmehr müsste man ihn als das „jüngste Druckverfahren” – nebst dem Digitaldruck – bezeichnen.

Offene Schablonen im 20. Jahrhundert
Bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden offene Schablonen noch oft zur Beschriftung oder zum Kolorieren von Bildern eingesetzt. In der Kunst des Art-Nouveau erreichte diese Technik ihren Höhepunkt. Vor allem in Frankreich wurden in Manufakturen teilweise tausende von Bilddarstellungen mit Hilfe von geschnittenen Schablonen – übrigens zeitgleich zum entstehenden Siebdruckverfahren – farbig vervielfältigt (Karl Bachler, „Serigraphie“, Lübeck 1977). Einer der bekanntesten Art-Deco-Drucker war der Franzose Jean Saudé. Er brachte diese Art des Schablonierens zwischen 1890 und 1930 offenbar zur Perfektion. Koloriermaschinen ermöglichten den Druck hoher Auflagen. Die Farbe wurde automatisch mit Pinseln auf den Bedruckstoff aufgestrichen. Trotz der technischen Ausgereiftheit konnte sich diese spezielle Drucktechnik nicht mehr weiter entwickeln. Die nachfolgende Druckergeneration intressierte sich damals zunehmend für andere Techniken der Bildreproduktion.

Das Problem der nicht druckenden Verbindungsstege
Hinweise auf eine mögliche Entwicklung, die zur Entstehung des Siebdrucks geführt haben könnte, findet sich in europäischen und amerikanischen Patenten erst im ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in den USA, aber auch in Europa, Patente zur Herstellung von offenen Schablonen veröffentlicht. Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden erste Versuche patentiert, die nicht druckenden Verbindungsstege durch dicke Drähte oder durch überstehende Bügel zu ersetzen, damit das Druckmotiv vollständig mit Farbe ausgefüllt werden konnte. Bernard Lowenson schlug in seinem Patent (USA 1887) sogar vor, die nicht druckenden Schablonenstege mit einer zweiten Schablone zu ergänzen um so das Druckbild zu vervollständigen. Technisch weiterführend sind hier die Patente von David Ream (USA 1880) und Benjamin Walker (USA 1884). Ream und Walker schlagen vor, die ausgeschnittenen Schablonenteile auf einem Drahtgitter zu befestigen, die Farbpaste sollte mit einer Bürste auf den Bedruckstoff aufgetragen werden. In den US-Volkszählungen wurde der Beruf sowohl von Ream (Census 1880) wie Walker (Census 1880-1930) als „Painter“ (Maler, vermutlich Flachmaler) angegeben. Eine Berufsbezeichnung wie „Printer“ (Drucker) findet sich nicht. Ähnliche Patente mit einem fein gewobenen Drahtnetz als Schablonenträger wurden auch von William Henay (USA 1897) oder von Albert Haberstroh (USA 1899) eingereicht. Henay bezeichnete als Anwendungsbeispiele das Dekorieren von Wänden oder Zimmerdecken, Haberstroh erwähnte zusätzlich noch den Druck auf Textilien.

Diese Versuche erscheinen uns aus heutiger Rückschau möglicherweise kurios, da sie sehr einfache Problemlösungen und Anwendungen beschreiben. Sie müssen zur damaligen Zeit aber offenbar von Interesse gewesen sein, sonst wären solche Patente nicht eingereicht worden. Bei all diesen Patenten ist bisher nicht bekannt, ob sie einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Entstehung des Siebdruckverfahrens gehabt haben. Es könnte durchaus auch sein, dass solche Eingaben nur auf das nähere Berufsumfeld der Patentinhaber („Painter“) einen Bezug hatten und wenig oder gar nichts mit dem Bereich des Druckgewerbes.

Problemlösung Seidengaze
Seidengaze wurde ursprünglich zum Sieben von Mehl hergestellt. Das Mehl wurde dazu in einen Gaze-Beutel gefüllt und durch eine mechanische Vorrichtung geschüttelt. Daher wurde die Seidengaze auch „Beuteltuch“ genannt. Webereien befanden sich seit 1830 in der Ostschweiz, dann auch in Lyon (Frankreich) und später in Krefeld (Deutschland) und Como (Italien). Vor allem die Schweizer Seidengazehersteller besassen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine dominierende Marktposition. Die Gewebe wurden in alle Kontinente exportiert.

Hergestellt wurde die Gaze in Heimarbeit auf Handwebstühlen. Um 1890 beschäftigte die Firma Dufour (heute Sefar) im schweizerischen Thal rund 700 Heimweber. Aufgrund der speziellen Dreherbindung, eine „Verknüpfung” der Fäden, bei der sich die Maschen beim Siebvorgang nicht verschoben, konnte der Webprozess erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig mechanisiert werden. Seidengaze wurde in vielen verschiedenen Feinheiten und Fadenstärken hergestellt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses „Müllereigewebe” dann auch als Schablonenträger verwendet. Einerseits fand die Gaze in Vervielfältigungsgeräten im Bürobereich Verwendung, andererseits aber auch für Beschriftungen oder im Textildruck. Erste Patente, bei denen Seidengaze oder andere Gewebe als Schablonenträger für Beschriftungen oder Textildrucke dienen sollte, wurden beispielsweise von Schreurs (Deutschland, 1893), Vericel (USA, 1902), Deeks (USA, 1903), Raymond (Frankreich, 1906) oder Simon (England, 1907) eingereicht. Den Vorteil dieser Schablonen begründeten die Gesuchssteller darin, dass sich die Motive ohne störende Verbindungsstege drucken liessen. In den USA sprach man sogar noch in den frühen 1920er Jahren, als sich das Siebdruckverfahren schon eindeutig entwickelt hatte, bei Siebdruckschablonen von „Tieless Stencils”, also „steglosen Schablonen”.

Der Engländer Joseph Julius Sachs schlägt 1879 in seinem englischen Patent vor, Gewebe als Schablonenträger zu verwenden. Der Belgier Francois Schreurs beschreibt in seinem deutschen Patent von 1893 ein Verfahren zum Einfärben von Textilien. Dazu wird ein farbgetränktes Filztuch auf eine Schablone gelegt und die Farbe mit Hilfe einer Presse durch die Schablone hindurch auf das Textil gedrückt. Als Schablonengewebe nennt Schreurs Tüll (ein netzartiges Gewebe), das auf einen Rahmen aufgespannt sei. Der in die USA eingewanderte Franzose Antoine Vericel beschreibt 1902 ein karussellähnliches Druckgerät zum Bedrucken von Textilien und Haushaltsartikeln. In seinem Patent ist hier erstmals die Verwendung einer Druckrakel abgebildet. Die aus Papier angefertigte Schablone sollte auf einem Seidenbeuteltuch befestigt werden. Vericel reichte später um 1920 Patente ein, die nicht mehr das Drucken betreffen (Kosmetik-Utensilien). Der Amerikaner Hiram Joseph Deeks reichte 1903 als Textildesigner ein Patent zur Schablonenherstellung ein. Im Schablonendruck sollten Andrucke hergestellt werden, die dem Kunden dann zur Begutachtung als „Gut zum Druck“ dienten. Die Auflage hätte dann aber im Rotationstiefdruck gedruckt werden sollen. Als Schablone diente eine mit Wachs präparierte Seidengaze, die auf einen Rahmen gespannt war. Deeks veröffentlichte in den nachfolgenden Jahren dann Patente, die keinen Bezug zum Siebdruck hatten: Zur Dekoration von Textilien durch das Aufsprayen von Farbe, zur Farbfotografie, zur Rotogravur (Tiefdruck) und zu Lentikularbildern (fotografische „Wechselbilder“, die mit Hilfe einer gerippten Folie je nach Blickwinkel zwei verschiedene Bilder sichtbar lassen werden). Der Franzose Jehan Raymond erwähnte 1906, dass sich offene Schablonen schlecht für den Druck von „artistical effects“ eignen würden. Sein Patent beschrieb dann die Herstellung einer Schablone mit Seide, Baumwolle oder Drahtgaze als Schablonenträger, die auf einen Holz- oder Metallrahmen befestigt wurden. Raymod bezeichnete das Verfahren als „silk screen“. Das in der Fachliteratur oft oder fast ausschliesslich als grundlegend für den Siebdruck erwähnte Patent des Engländers Samuel Simon beschrieb 1907 die Schablonenherstellung durch das Aufmalen des Motivs auf ein Gewebe aus Chiffon oder Gaze. Das Gewebe sei auf einen Rahmen aufgespannt. Gedruckt („printed or reproduced“) werde mit Hilfe einer weichen Bürste. Als Bedruckstoffe nannte Simon Textilien, Papier oder „any substance“. Simon reichte 1924 ein Patent zur Einzelbemusterung von Textilien mit Hilfe eines Stempelverfahrens ein, zuvor 1922 aber eigenartigerweise ein Patent zu Zelluloidfenstern für Verdecke von Motorradseitenwagen. Simon lebte und arbeitete in Manchester, der damaligen Textilmetropole Englands, die umgangssprachlich auch als „Cottonopolis“ bezeichnet wurde.

Im Unterschied zum Patent von Simon (1907) wurde in den Patenten von Schreurs (1893) und Raymond (1906) die fotografische Schablonenherstellung, die später ab den 1920er Jahren zunehmend Anwendung fand, detailliert beschrieben. Das Patent von Schreurs wurde diesbezüglich auch in Textilfachbüchern der 1920er Jahre erwähnt, allerdings ohne konkrete Hinweise darauf, ob dieses Patent einen Einfluss auf die Entstehung des Siebdrucks gehabt haben könnte. Das Patent von Raymond wurde in der Fachliteratur nicht mehr erwähnt.

Sowohl über die Patentinhaber als auch über die Impulse und Bedeutung ihrer Patente im Hinblick auf die Ursprünge des Siebdruckverfahrens ist jedoch kaum etwas bekannt. Simon bezeichnete sich als Textildesigner oder Calico-Printer. Raymond veröffentlichte in den frühen 1920er Jahren gestalterische Entwürfe im Art-Deco-Stil zur Dekoration von Leder, ohne dabei auf eine mögliche Drucktechnik hinzuweisen. Bemerkungen in Fachbüchern oder Fachartikeln, dass diese oder jene Person aufgrund ihres Patents als „Gutenberg des Siebdrucks” gelte, sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Versuche, all die bekannten Patente in zeitlicher Abfolge aneinander zu reihen und dann das früheste Patent als „Ursprung“ zu bezeichnen, sind aufgrund der unklaren oder fehlenden Quellenlage jedenfalls sehr fragwürdig.

Stencil-Duplicators
Vervielfältigungsgeräte, bei denen die Druckform aus einer Wachsmatrize bestand, wurden bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts häufig im Bürobereich eingesetzt. Sie ermöglichten es, mit geringem technischen Aufwand mehrere Tausend Kopien von Texten oder einfachen Zeichnungen herzustellen. Als Druckform diente ein grobfasriges Japanpapier, das mit einer Wachsschicht beschichtet war. Das Papier wurde in eine Typenhebel-Schreibmaschine eingespannt und mit Text beschrieben. Beim Tippen durchdrangen die metallenen Buchstaben die Wachsschicht bis auf das Trägerpapier. Die so vom Wachs befreiten Stellen waren nun farbdurchlässig. Die Matrize wurde danach in einem speziellen Druckgerät auf eine Seidengaze befestigt und gedruckt. Die einfachen Druckgeräte, die ab ca. 1890 gebaut wurden, weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit den ab ca. 1920 erwähnten Siebdrucktischen auf. Es waren Flachbett-Druckgeräte, der Rahmen mit der Wachsschablone war scharnierartig auf- und zuklappbar. Die amerikanische Autorin Elinor Noteboom erwähnt speziell das von Charles Nelson Jones patentierte Druckgerät (USA 1887), das ihrer Ansicht nach einen direkten Einfluss auf die Entstehung des Siebdruckverfahrens gehabt habe. Jones war Mathematikprofessor an der University of Michigan. Sein Druckgerät war zur schnellen Herstellung von „Copies“ gedacht. Der Schablonenrahmen wurde dabei durch ein Fusspedal zugeklappt, gedruckt wurde mit einem Farbroller.

Noteboom hält es für wahrscheinlich, dass um die Jahrhundertwende amerikanische Schildermaler und „Commercial Artists“ Jones Idee übernommen haben. Es könnte aber auch sein, dass das Siebdruckverfahren nicht aus dem Bereich der Stencilduplicators übernommen wurde, sondern seine Ursprünge in einem anderen gewerblichen Umfeld hatte. Die Verwendung von Seiden- oder Drahtgaze für Schablonendrucke dürfte auch ausserhalb des Bürobereichs bekannt gewesen sein. Ob die Stencilduplicators die Entstehung des Siebdrucks mit beeinflusst haben, ist daher nicht auszuschliessen, kann aber auch nicht bewiesen werden. Erwiesen ist jedenfalls, dass die weitere Entwicklung der beiden Anwendungen getrennt verlief: Der auch als „Roller-Process“ bezeichnete Druck mit den Stencilduplicators wurde bis in die späten 1970er Jahre im Bürobereich zur Vervielfältigung eingesetzt und dann zunehmend von Fotokopiergeräten oder dem Kleinoffsetdruck verdrängt. Das Siebdruckverfahren hingegen entwickelte sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich des Schilder-, Plakat- oder Textildrucks, wo vor allem grossflächigere Druckarbeiten mit den entsprechenden Spezialfarben ausgeführt wurden, selbständig weiter. Die fotografische Schablonenherstellung setzte sich nur im Siebdruck durch. Im Bereich der Büroanwendung lag der Vorteil der Vervielfältigungsgeräte in der einfachen Handhabung für ungeschultes Personal. Hier hätte die fotografische Herstellung der Matrizen (Schablonen) einen chemischen Prozess und eine entsprechende Belichtungsanlage erfordert.

Erste Hinweise zum Siebdruckverfahren
Der amerikanische Siebdruckpionier und Fachbuchautor Bert Zahn (1896-1989) erwähnt in einem unveröffentlichten Manuskript, dass Francis Willette in Detroit um 1901 Pennants im Siebdruckverfahren bedruckt habe. Pennants sind Wimpel (kleinformatige Fahnen, oft aus Filz angefertigt), die damals wie heute in den USA eine grosse Beliebtheit als Identifikationssymbole in Sportclubs, Vereinen oder Schulen besitzen. 1907 hätte Harry Leroy Hiett ebenfalls im Bereich des Pennantdrucks gearbeitet. Hiett (1889-1969) war als Schriftenmaler („Commercial-Artist”) ebenfalls ein Pionier des amerikanischen Siebdrucks. Er war Autor des ersten Siebdruckfachbuchs, das 1922 veröffentlicht wurde („Silk Screen Process Knowledge”) und publizierte später viele Fachartikel. Elinor Noteboom erwähnt in ihrem Artikel von 1992, dass das Siebdruckverfahren in den USA ca. 1899 auch zur Beschriftung von Müllereisäcken eingesetzt worden sei. Ob diese frühen Anwendungen des Siebdrucks ihre Ursprünge im Bereich des klassischen Textildrucks oder eher im Bereich der Schildermaler hatten, ist jedoch unklar.

1916 veröffentlichte William Hugh Gordon in der amerikanischen Zeitschrift „Signs of the Times Magazine” den bisher ersten bekannten Fachartikel über das Siebdruckverfahren. Gordon war als typografischer Gestalter im Bereich der Werbegrafik und Schildermalerei bekannt. Er beschrieb die Vorteile des Siebdrucks in grafischen Anwendungen („Show Cards“). Das Verfahren sei für Schildermaler („Card Writer“) sehr einfach anzuwenden und brächte aufgrund der einfachen Druckeinrichtung erhebliche Kostenvorteile im Vergleich zu anderen Druckverfahren wie Lithografie oder Tiefdruck, vor allem bei kleinen und mittleren Druckauflagen. Als Bedruckstoffe nennt Gordon Karton, Seide, Leinwand, Filz, Glas, Holz etc., die in einigen hundert Exemplaren pro Stunde bedruckt werden könnten. Obwohl Gordon die fotografische Schablonenherstellung speziell erwähnte, wurden die Schablonen in dieser Frühzeit des Siebdruckverfahrens noch meistens in der Abdecktechnik, also dem direkten Aufmalen des Motivs auf die Seidengaze, oder mit geschnittenen Papieren, die am Sieb befestigt wurden, hergestellt.

Der Hinweis von Gordon am Ende seines Artikels, dass er leider keine Freiheit dazu habe, Rezepte zur fotografischen Schablonenherstellung zu veröffentlichen und man ihn diesbezüglich deshalb besser privat oder über den Verlag um Informationen anfragen solle, deutet darauf hin, dass sich das Siebdruckverfahren aus seinen Ursprüngen zunehmend zu einem gewerblichen Druckverfahren mit entsprechendem Konkurrenzdenken entwickelte. Das erste wichtige US-Patent zum Siebdruck im heutigen Sinn wurde am 1. Dezember 1915 beantragt und hatte Gültigkeit ab dem 29. Januar 1918. Es wurde von der Firma Selectasine, San Francisco, eingereicht.







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