Im Bereich des
Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt. Es handelte
sich dabei aber - ähnlich wie bei den damaligen Schriftenmalertechniken
- um offene Blech - oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten,
Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen. Wann der Wechsel
vom Dekorieren mit offenen Schablonen hin zum Textilsiebdruck statt fand,
ist nicht genau bekannt.
Grafischer Siebdruck - Textilsiebdruck
In Siebdruckfachbüchern wird manchmal erwähnt, dass der Filmdruck
(Siebdruck auf Textilien) zeitlich vor dem grafischen Siebdruck (Schilder,
Plakate etc.) entstanden sein soll. Zudem sei der grafische Siebdruck in den
USA entstanden, der Filmdruck hingegen in Europa, wo ja schon eine lange Tradition
im Bedrucken von Textilien bestanden hat. Fachartikel aus den 30er-Jahren
des 20. Jahrhunderts deuten allerdings darauf hin, dass der Filmdruck und
der grafische Siebdruck sich ungefähr parallel zu Entwickeln begannen
- in Europa um die Mitte der 20er-Jahre. Zudem wurden in den USA vermutlich
schon früher Versuche im Textilsiebdruck gemacht (siehe US-Patent Odajian,
1922).
Ursprünge des Textilsiebdrucks in Europa und
den USA
H. Silbermann schreibt 1926: "Man hat schon vor längerer Zeit versucht,
Schablonen für zeichnerische oder Malzwecke mit Hilfe photographischer
Reproduktion herzustellen, indem man auf ein Gewebe irgendwelcher Art eine
lichtempfindliche Schicht (z.B. Bichromatgelatine oder Asphalt) aufbrachte
... Die Schablonen, welche auf diese Weise entstehen, besitzen nur geringe
mechanische Widerstandsfähigkeit (Anm.: ... für den Textildruck),
so dass sie sich beim Durchdrücken von Farbe ... als wenig haltbar erweisen
... Die Herstellung photographischer Schablonen war zwar an sich bekannt,
zu gewerblicher Bedeutung ist es jedoch nicht gekommen ..."
Im Buch "Bleaching, Dyeing, Printing and Finishing" von J. W. Mc
Myn , London 1928, ist kein Hinweis auf den Druck mit offenen Schablonen oder
den Siebdruck zu finden. Erwähnt wird vor allem der Tiefdruck.
Vermutlich begann sich das Siebdruckverfahren im Bereich des Textildrucks
in Europa erst seit Mitte der 20er-Jahre zunehmend durch zu setzen. A. Görner
schreibt 1931: "Das in den letzten Jahren für den Zeugdruck zur
Aufnahme gekommene Schablonendruckverfahren ist von dem ursprünglich
in Japan mit Schablonen aus Seidengaze betriebenen Buntpapierdruck übernommen
worden und erstmalig für den Druck seidener Stoffe in Amerika vor 8 bis
10 Jahren nach dem USA-Patent 1494798 ausgeübt."
Albert Franken schreibt 1936: "Die ersten Filmdruckversuche fallen in
das Jahr 1926. Damals wurden in Deutschland, von Amerika her kommend, die
ersten praktischen Versuche, mit Schablonen zu Drucken, unternommen."
Und 1954: "In Europa erhielt der Filmdruck
von 1926 an industrielle Bedeutung. Namentlich in Frankreich, in Deutschland,
in der Schweiz und in England entstanden Filmdruckereien ..." Und: "Als das Filmdruckverfahren in den Jahren 1925/1926 aus dem Versuchsstadium
in die Praxis trat ..."
Im Standardwerk für Textilfärbung und -druck von Knecht + Fothergill
"The Principles and Practice of Textile Printing" wird erstmals
in der 1936er Ausgabe über "Screen Printing" geschrieben.
Das Verfahren hätte seit einigen Jahren ("recent years") zunehmend
an Bedeutung erlangt. "It is not really a printing process at all, but
purely and simply an improved method of stencilling ..."
Reco Capey schreibt 1930 im Kapitel "Stencilling": "An interesting
method of making stencil plates of specially prepared gauze, with a mesh of
80 to 100 to the inch, is finding considerable employment to-day"
Ing. W. Taussig schreibt 1933: "Über die Ausführungen des Filmdruckes,
der von den Vereinigten Staaten von Amerika nach Europa gekommen ist, finden
sich in den deutschen Zeitschriften verhältnismässig wenig Angaben."
Zur Entstehung des Filmdrucks schreibt Richard Künzl 1953: "Der
Filmdruck wurde zuerst um 1900 in Amerika verwendet, kam dann vor 1914 nach
Lyon und verbreitete sich nach 1918 allmählich in Europa"
Karl Schmidt schreibt 1961: "Im Gegensatz zum Rouleauxdruck ist der Filmdruck
keine europäische Erfindung, sondern kam nach dem ersten Weltkrieg aus
Amerika zu uns, wurde dann aber besonders in Deutschland und Frankreich bis
zu seiner heutigen Vollkommenheit entwickelt. Der Grund zu seiner Erfindung
war der während des ersten Weltkrieges in Amerika einsetzende Mangel
an Druckware, die bis anhin meist aus Europa eingeführt worden war. Es
ist möglich, dass die Anregung zum Filmdruck ein in Japan entwickeltes
Schablonendruckverfahren, der sogenannte Ju-Sen-Druck, gegeben hat. Da man
aber in den USA damals für die Herstellung von Plakatbildern ein dem
heutigen Filmdruck sehr ähnliches Verfahren bereits benutzte, wird der
Filmdruck wohl durch die Übertragung dieses Verfahrens auf den Stoffdruck
entstanden sein"
Obwohl der Textildruck und der grafische Siebdruck zwei völlig unterschiedliche
Gebiete des Siebdrucks sind, so lassen die obigen Zitate doch vermuten, dass
beide Anwendungsgebiete ihren Ursprung im gleichen Zeitraum haben. Es wäre
auch schwierig sich vorzustellen, dass sich der Textilsiebdruck technisch
und zeitlich völlig abgespaltet vom grafischen Bereich entwickelt hätte.
Intressant sind dabei die genannten Jahreszahlen zur beginnenden Entwicklung
des Textilsiebdrucks in Europa: 1925-1927. Genau diese Jahre gelten auch als
Pionierzeit im grafischen Siebdruck.
Einen weiteren Intressanten Aspekt zeigt hier auch das Buch "Manual of
Postercraft" von Will Clemence (London, Mitte 30er-Jahre 20. Jh.). Darin
sind Fotos der Firma SELECTASINE (vermutlich London) abgebildet. Die Firma
SELECTASINE wurde bisher ausschliesslich mit der Entwicklung des grafischen
Siebdrucks in Verbindung gebracht. Im Buch von Clemence sind aber auch Filmdruckeinrichtungen
und -schablonen der Firma SELECTASINE abgebildet. Offenbar standen sich der
grafische und textile Siebdruck in seiner Entwicklung doch näher, als
bisher vermutet.
"Filmdruck"
Der Begriff "Filmdruck" wird auch heute noch teilweise anstelle
von "Textilsiebdruck" verwendet. Die Bezeichnung stammt aus den
30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Um die Schablonen widerstandsfähig
gegenüber den wasserbasierenden (und oft alkalischen) Textildruckfarben
zu machen, beschichtete man sie bis in die 50er-Jahre auf beiden Seiten mit
einem dünnen Lackfilm. In den offenen, druckenden Stellen der Schablone
wurde dieser Schutzlack durch Absaugen o. ä. wieder entfernt. Wegen diesen
mit einem "Lackfilm" verstärkten Schablonen sprach man dann
vom "Filmdruck". Heute haben sich im Siebdruck die folgenden Bezeichnungen
durchgesetzt: "Textildruck" für den Druck auf Meterware, "Textiler
Siebdruck" für das Bedrucken von konfektionierten Artikeln, wie
T-Shirts, Sporttaschen etc.
... Text in Arbeit ...
