Das Stichwort "Textildruck" erinnert hauptsächlich an das Bedrucken konfektionierter Ware wie T-Shirts. Mindestens ebenso bedeutend ist jedoch das Bedrucken von Metragen, also "Meterware", heute ab Rolle. Hier liegen auch die geschichtlichen Ursprünge des Textildrucks seit dem Mittelalter. T-Shirts wurden erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Unterwäsche getragen - erwähnt wird hier die US-Navy. Erst zu Beginn der 1950er Jahre wurden sie in den USA zum modischen Kleidungsstück und mit dekorativen oder werbenden Motiven bedruckt.
Die Ursprünge der heutigen Textildruckindustrie liegen in Europa. Seit dem frühen Mittelalter wurden Stoffe mit geschnitzten Holzstempeln bedruckt - den so genannten "Model". Hauptsächlich wurde im Reserveverfahren gedruckt, also eine Druckpaste aufgedruckt, die das Textil bei der nachfolgenden Färbung vor der Einwirkung der Farbstoffe schützte. Diese Technik ist mit der Batik vergleichbar und hatte als "Blaudruck" in weiten Teilen Europas handwerkliche Tradition (Abb. 1). Während in Japan der Schablonendruck als kunsthandwerkliche Textildrucktechnik in seinen Grundzügen fast unverändert bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb, so begann im Europa des frühen 19. Jahrhunderts die Industrialisierung der Textilindustrie und damit auch des Textildrucks. Man sprach dabei vom "Zeugdruck". Die Abbildung 3 zeigt die Textilverarbeitung in der als "Cottonopolis" bezeichneten Stadt Manchester, dem damaligen Textilzentum Englands, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Abbildung 2 zeigt das Textilzentrum der USA, die als "silk city" bezeichnete Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey, frühes 20. Jahrhundert.
Modeldruck
Die ältesten in Europa erhaltenen Textildrucke und Druckmodel stammen aus der Zeit des 14. Jahrhunderts, rund 100 Jahre vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Bei der Herstellung eines Model wurde das Druckbild in Birnbaum- oder Buchsbaumholz geschnitten. Die Wiedergabe feiner Details war dabei nicht möglich und die Model nutzten sich beim Druckvorgang relativ rasch ab. Eine Verbesserung brachte seit dem 19. Jahrhundert das Einsetzen von Streifen aus Messingblech, welche die Kanten des Druckmotivs bildeten (Abb. 4). Die Innenräume wurden zur guten Farbaufnahme und Farbübertragung mit Filz ausgefüllt. Zum Drucken wurde die Stoffbahn auf einen langen Tisch abgerollt und seitlich fixiert, damit sie sich beim Druckvorgang nicht verschieben konnte. Die Druckfarbe befand sich in einem Farbkasten mit einem eingelegten Kissen, vergleichbar mit einem Stempelkissen. Durch das Aufsetzen auf das Kissen färbte der Drucker den Model ein und setzte ihn anschliessend auf die Stoffbahn ab. Mit einem Hammer wurde der Model so an den Stoff "angeklopft", dass die Farbübertragung gleichmässig war. Dem Drucker stand ein Gehilfe zur Verfügung - der Streicherjunge -, der das Farbkissen fortwährend mit Druckfarbe versorgte (Abb. 4). Der Modeldruck wurde durch die in Frankreich erfundene Perrotine seit Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise mechanisiert (Abb. 5). Das Einfärben und Aufsetzen der Model auf den Stoff erfolgte dabei automatisch. Der manuelle Modeldruck war bis in die 1940er Jahre von wirtschaftlicher Bedeutung, er wurde jedoch weitgehend vom Rouleauxdruck verdrängt. So schrieb ein Fachautor in den 1920er Jahren: "Mit der Entwicklung des Walzentiefdrucks war die beherrschende Stellung des Modeldrucks erschüttert, und seine Bedeutung schwand bis auf einen Restbedarf an handbedruckter Ware, die in gewissen Artikeln die Vergangenheit betonen oder in Erinnerung bringen soll."
Rouleauxdruck (Roller printing)
Den technologischen Durchbruch zur Mechanisierung des Textildrucks brachte die Erfindung der Rotationstiefdruckmaschine (Abb. 6). Das Verfahren wurde als Walzendruck oder Rouleauxdruck, in England und den USA als Roller printing, bezeichnet. Das Druckbild wurde dabei in Metallzylinder eingraviert oder eingeätzt. Nach dem Einfärben des sich drehenden Druckzylinders wurde die überschüssige Farbe durch eine scharfe Metallrakel von der Oberfläche des Zylinders entfernt. Danach konnte die sich in den vertieften Stellen befindende Druckfarbe auf das Textil aufgedruckt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts standen hauptächlich in England hunderte von Rouleauxdruckmaschinen in Betrieb, die jährlich Millionen Meter Ware bedruckten.
Textildruck mit offenen Schablonen
Im Bereich des Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt, jedoch nur für kleinste Auflagen. Es handelte sich dabei um offene Blech- oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten, Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen.
Spritzdruck
Beim Spritzdruck wurde in Airbrush das Druckbild durch offene Schablonen auf das Textil gesprüht. Zum Dekorieren wurde die Schablone auf das Textil gelegt und mit einem Spritzapparat und Druckluft die Farbe aufgesprüht (Abb. 7). Je nach Abstand der Spritzpistole konnten die Farben intensiver oder zarter aufgetragen werden, was in den anderen Druckverfahren nicht möglich war. Der Spritzdruck galt nicht als eigentliche Drucktechnik. Seit den späten 1930er Jahren verlor er zunehmend an Bedeutung zugunsten des Siebdruckverfahrens.
Erste Patente zum Textilsiebdruck
Sowohl in Europa wie auch in den USA wurden Ende des 19. Jahrhunderts erste Patente eingereicht, welche die Schablonenherstellung mit Seidengaze beschrieben und Anwendungen im Textildruck betrafen. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Patente ist jedoch nicht bekannt. Belegt ist, dass sich der Textilsiebdruck erst seit den frühen 1920er Jahren zu entwickeln begann - nach der Frühzeit des grafischen Siebdrucks in den USA.
Ein erstes wichtiges Siebdruckpatent, das sich direkt auf den Textildruck bezog, stammt vom Textildesigner Hiram Deeks, Paterson, New Jersey, USA. Deeks wurde 1879 in England geboren und emigrierte 1892 in die USA. Er reichte 1903 sein US-Patent zu Schablonenherstellung gleichzeitig in England ein. Während Deeks US-Patent sich auf allgemeine grafische Anwendungen bezog, so erwähnte seine in England platzierte Version ausschliesslich den Textildruck. Es betraf die Herstellung von Textildruckmustern im Siebdruck, die anschliessend in hoher Stückzahl im Rotationstiefdruck gedruckt werden sollten. Die Farbe wurde in flüssiger Form durch die Schablone gesprüht. Zum Dekorieren von Samt und Plüsch empfahl Deeks, die Druckfarbe mit einem Roller oder einer Bürste durch die Schablone hindurch aufzutragen.
In der neueren Fachliteratur wird sehr häufig das Patent des Engländers Samuel Simon erwähnt. Simon war Textildesigner in Manchester. Er reichte 1907 ein Patent zur Schablonenherstellung ein. Über Samuel Simon ist wenig bekannt. In der Volkszählung von 1901 wurde er dann als "Designer, Calicoprinter" und "Worker", also Angestellter einer Firma, aufgeführt. Simons Patent beschrieb die Schablonenherstellung in sehr einfacher Art, indem das Druckmotiv mit einem Pinsel ins Gewebe gezeichnet werden soll. Gedruckt wurde mit Hilfe einer weichen Bürste. Als Bedruckstoffe nannte Simon Textilien, Papier oder "any substance". Die Bedeutung von Simons Schablonenpatent von 1907 auf die Entwicklung des Sieb- oder Textildruckverfahrens ist bis heute nicht bekannt - in England entwickelte sich das Siebdruckverfahren erst seit den frühen 1920er Jahren.
Entstehung des industriellen Textildrucks in den USA
Bis vor dem Ersten Weltkrieg importierten die USA bedruckte Textilien fast ausschliesslich aus Europa - die USA besassen keine eigene Textildruckindustrie. Dies änderte sich in den Jahren des Ersten Weltkriegs, wo die USA zunehmend von den Lieferungen aus Europa abschnitten wurden. Diese Notlage gab den Anstoss zur Entwicklung einer eigenen Textildruckindustrie. Das Fachwissen dazu lieferten in die USA eingewanderte Fachleute aus der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich. Die Branche entwickelte sich schnell. Schon 1930 bemerkte ein deutscher Fachmann nach dem Besuch der USA: "Der Textildruck spielt eine ungleich bedeutendere Rolle als bei uns. Der Grund dafür liegt darin, dass die amerikanischen Druckereien es verstanden haben, die Masse des Publikums in geschickter Weise derart zu erziehen, dass für die verschiedensten Verwendungszwecke eine rege Nachfrage nach Druckartikeln besteht. Die Druckware hat also in alle Bevölkerungsschichten Eingang gefunden. [...] Die Leistungsfähigkeit der Maschinen ist ausserordentlich gross. Um sich von der Produktion ein Bild zu machen, sei als Beispiel aufgeführt, dass ein Betrieb mit 44 Rouleauxdruckmaschinen täglich 1 Million Yards fertigmacht. Bei einer Maschine mit Achtfarbendruck wurde eine Leistung von 68 Meter in der Minute festgestellt [...] Eine Grossfirma, die etwa 35.000 verschiedene Artikel führt, zählt 6.000 Angestellte.“
Entstehung des Textilsiebdrucks in den USA
In diesem Umfeld der amerikanischen Textildruckindustrie begann sich in den frühen 1920er Jahren der Textilsiebdruck zu entwickeln. Die Technik der Schablonenherstellung und des Druckens wurde dabei vom grafischen Siebdruck übernommen und den Anforderungen des Textildrucks angepasst. Wiederum beschrieb ein deutscher Fachmann diese Entwicklung: "Der Geschmack des Publikums forderte zunehmend in erster Linie grosse Muster, die ihrerseits grosse Rapporte und grosse Flächen voraussetzten. Diese Geschmacksrichtung bestimmte die weitere Entwicklung. Die gewünschten grossflächigen Muster konnten weder durch Modeldruck noch durch den Rouleauxdruck geschaffen werden. Der Modeldruck würde zu grossen, unhandlichen Ausmassen der Druckmodel greifen müssen, für den Rouleauxdruck wären wiederum zu grosse Walzen erforderlich. Die Suche nach einem geeigneten Druckverfahren führte zu einer ganz neuen Art, dem sogenannten Rahmendruck, den die Amerikaner mit "screen printing" bezeichnen. Dieser Druck gestattet in handlicher und wirtschaftlicher Weise das Produzieren von Mustern mit grossen Rapporten und grossen Flächen."
Erster Textilsiebdrucktisch von Joseph Odajian
Vermutlich zu Beginn der 1920er Jahren gründete Joseph Odajian, 1883 in der Türkei geboren, in New York seine Firma "New Art Textile Printing" und platzierte 1922 sein Patent eines Textilsiebdrucktisches (Abb. 9). Darin wird ein langer Drucktisch mit Rapport-Vorrichtungen beschrieben, der zum Bedrucken der Ware diente. Grundsätzlich unterschied sich Odajians Drucktisch nicht von der Bauart, wie sie auch im Modeldruck eingesetzt wurden. Neu war hingegen die Verwendung von Seidengazeschablonen, die an seitlich des Drucktisches angebrachten Rapportvorrichtungen positioniert wurden.
Die Bedeutung des Textilsiebdrucks innerhalb der gesamten amerikanischen Textildruckindustrie war zu Beginn der 1930er Jahre jedoch noch gering. Der grösste Teil an Druckerzeugnissen wurde im Rouleauxdruck bedruckt. Im Textilsiebdruck wurden hauptsächlich seidene Umschlagetücher und Ähnliches, teilweise auch Dekorationsstoffe in grossflächigen Mustern bedruckt, die für den Rouleauxdruck nicht geeignet waren.
Entstehung des Textilsiebdrucks in Europa
In Europa begann sich der Textilsiebdruck zeitgleich mit der Einführung des grafischen Siebdrucks zu entwickeln und besonders in Deutschland zu verbreiten (Abb. 10). Der Zeitraum betraf die "Goldenen Zwanzigerjahre", die Jahre zwischen 1926 und 1929, als sich in Europa erstmals nach dem Ersten Weltkrieg ein wirtschaftlicher Aufschwung bildete. Die Technologie wurde von den USA übernommen. Der Textilsiebdruck wurde schnell in Europa eingeführt, da auch hier der Bedarf an grossformatigen Druckmotiven wuchs. Es wurde dabei bemerkt, dass sich das Verfahren in Europa sogar stärker verbreite, als in seinem Ursprungsland, den USA. Dies dürfte vermutlich in der langen Tradition des europäischen Textildrucks gründen und in der sich ändernden Marktlage zu Beginn der Weltwirtschaftskrise, als die traditionellen Textildruckverfahren zunehmend in Bedrängnis gerieten.
Weltwirtschaftskrise und Aufstieg des Textilsiebdrucks
Der Börsencrash von 1929 führte in Europa zu einer Umwälzung innerhalb der Textildruckindustrie. Die Entwicklung, die dem Textilsiebdruck zum Durchbruch verhalf, wurde damals in Fachartikeln folgendermassen beschrieben: "Dann kam die grosse Wirtschaftskrise. Der Welthandel schrumpfte auf nahezu ein Drittel seines früheren Umfanges zusammen. Auch die hauptsächlich in grossen Betrieben zusammen gedrängte Rouleauxdruckindustrie wurde davon auf das empfindlichste betroffen. Auftragsmangel und Betriebseinschränkungen liessen die grossen Betriebe immer unwirtschaftlicher arbeiten. Die Bedarfsdeckung an Druckware geschah durch kleine und kleinste Aufträge, die meist von vornherein für die auf Grosserzeugung zugeschnittenen Anlagen als Verlustaufträge zu erkennen waren. Der Siebdruck, ein bis dahin in Europa fast unbekanntes Verfahren, trat nun mit seinen Druckerzeugnissen erstmals hervor. Es konnte nun dem Wunsch nach vielfältigen Muster und Farbstellungen entsprochen werden und auch bei kleinen Aufträgen wirtschaftlich gearbeitet werden. Während die Gravierung der Walzen für die Rouleauxdruckmaschinen grosse Kosten verursacht, kann im Siebdruckverfahren sowohl die Grösse der an sich billigen Schablonen als auch das Wechseln von Mustern und Farbstellungen ohne wesentliche Zeitverluste vorgenommen werden."








