Wie der Textildruck entwickelte sich der Keramikdruck aus dem grafischen Siebdruck. Sowohl im Textildruck wie im Keramikdruck wurden die technologischen Fortschritte der Druckformherstellung dem grafischen Siebdruck entnommen und das Verfahren den eigenen Anwendungen angepasst, hauptsächlich im Bereich der Druckfarben. Der keramische Siebdruck begann sich vermutlich zeitgleich sowohl in den USA wie in Europa zu entwickeln – seit den späten 1920er Jahren.
Beim Dekorieren von Glas, Porzellan oder Email werden Schmelzfarben eingesetzt, die sich beim Einbrennen dauerhaft mit dem Substrat verbinden. Die Farben werden bei ca. 600 °C (Glas) bis 1200 °C (Porzellan, Email) eingebrannt.
Abziehbilder
Abziehbilder werden auf ein spezielles Papier seitenverkehrt gedruckt und danach auf den zu dekorierenden Gegenstand übertragen. Es handelt sich dabei also um eine Transfer-Technik. Die Bildmotive können in verschiedenen Druckverfahren in hoher Feinheit und hoher Auflage hergestellt und auf verschiedenartige Materialien, wie beispielsweise Metalle, Holz, Keramik, Glas oder Textilien, übertragen werden, sowohl auf flache Materialien wie auch auf geformte Gegenstände. Transferbilder wurden als "Décalcomanie" oder "Decalcomanias" bezeichnet, in den USA auch vereinfacht als "Decals".
Abziehbilder wurden 1807 in Frankreich erfunden, seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber hauptsächlich in Deutschland in hoher Anzahl hergestellt und weltweit exportiert. Noch um 1900 existierten in Deutschland etwa 2000 Abziehbilderfabriken. Abziehbilder wurden bis zum Aufkommen des Offsetdrucks hauptsächlich in Lithografie hergestellt. Gedruckt wurde je nach Bildmotiv teilweise in bis zu 20 Farben, seitenverkehrt und in umgekehrter Farbreihenfolge. Als Druckfarbe diente Lithografiefarbe.
Abziebilder waren im Alltag bei spielerisch dekorativen Anwendungen sehr populär, beispielsweise Bilder für Sammelalben, Fensterscheiben, Ostereier etc. Sie wurden aber auch für technisch-industrielle Anwendungen hergestellt, beispielsewise zur Beschriftung von Haushaltsgeräten, Maschinen, Fahrrädern etc. - als Ersatz für die Handmalerei (Abb. 1).
Ein wichtiges Einsatzgebiet war die Dekoration von Porzellan und Email. Dabei wurden einbrennbare keramische Schmelzfarben eingesetzt. Seit wann Abziehbilder in der keramischen Industrie zur Dekoration von Geschirr oder bei der Herstellung von Emailplakaten eingesetzt werden, bleibt unklar - es wird das späte 19. Jahrhundert und das frühe 20. Jahrhundert genannt.
Abziehbilder konnten trocken oder nass übertragen werden. Am häufigsten wurden Nassabziehbilder eingesetzt. Trockenabziehbilder wurden auf spezielle Wachspapiere gedruckt. Vor dem Übertragen des Druckbilds wurde dieses mit einem schnell trocknenden Lack bestrichen, der die Haftung auf dem Material ermöglichte. Nach dem Antrocknen des Übertragungslacks wurde das Abziehbild auf den zu dekorierenden Gegenstand aufgepresst. Nach einer Trocknungszeit von einigen Stunden konnte das Trägerpapier vom Druckbild abgelöst werden. Überschüssige Lackreste wurden mit einem in Lösemittel getränkten Tuch entfernt.
Nassabziehbilder wurden hingegen auf ein wasserlöslich beschichtetes Papier gedruckt - ähnlich einer Briefmarke. Zum Übertragen des Bildes wurde das Papier mit Wasser benetzt, wodurch die wasserlösliche Beschichtung weich wurde. Nun konnte das Bild vom Trägerpapier abgelöst werden. Nassabziehbilder wurden in zwei unterschiedlichen Techniken hergestellt und übertragen. Die erste Technik bestand darin, dass das Bildmotiv seitenverkehrt auf das Trägerpapier gedruckt wurde. Wie beim Trockenabziehbild wurde das Motiv mit Lack bestrichen und auf das zu dekorierende Material übertragen. Danach wurde das Trägerpapier mit Wasser benetzt und vorsichtig entfernt (Abb. 2).
Die andere Technik zur Herstellung von Nassabziehbildern bestand darin, dass das Motiv seitenrichtig auf das Trägerpapier gedruckt wurde. Auf das Papier wurde zuvor in der Grösse des Bildmotivs eine dünne Lackschicht aufgebracht. Nach dem Druck des Bildmotivs wurde das Papier in Wasser aufgeweicht und die Lackschicht zusammen mit dem Bildmotiv vom Papier weg geschoben und auf das Material übertragen (Abb. 3). Solche Transferbilder wurden auch als "Abschiebebilder" bezeichnet und im Bereich der Porzellandekoration und bei der Dekoration von Emailplakaten eingesetzt. Beim Einbrennen wurde die Lackschicht zerstört und die keramischen Farben verschmolzen mit dem Untergrund.
Das Herstellen und Übertragen von Abschiebebildern für keramische Anwendungen wurde erstmals 1930 in den USA beschrieben, die Technik dürfte aber auch in Europa bekannt gewesen sein. 1934 erschienen in den USA dann erste Fachartikel zum keramischen Siebdruck, die sofort und ausführlich auch in Europäischen Fachzeitschriften zitiert wurden. Zeitgleich wurde das Siebdruckverfahren in den USA und Europa erstmals zur Dekoration von Emailwerbeschildern eingesetzt.
Emailplakate
Die Ursprünge der Dekoration von emaillierten Waren lagen in Europa in der Herstellung von Uhrenzifferblättern, seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese erste Anwendung erweiterte sich in den folgenden Jahrzehnten um Beschriftungen von Hinweis- und Firmenschildern. Seit den 1870er Jahren wurden erste Werbeschilder hergestellt, jedoch noch ausschliesslich in Textform. Grafisch gestaltete Emilwerbeschilder in Text-Bild-Kombination wurden in Europa wie auch in den USA erst zu Beginn der 1890er Jahre hergestellt. Die Produktion von emaillierten Werbeschildern nahm in den folgenden Jahren rasant zu. Entsprechend gross waren die Fabrikationsbetriebe in Europa und den USA. Die Emaillierwerke produzierten bis zum Zweiten Weltkrieg Millionen von Werbeschildern. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprach man in der Schweiz von einer "Blechpest" und "aufdringlichen Reklametafeln", die Stadtansichten und Dorfbilder zerstöre. Auch in Deutschland sprach man von einer "Verschandelung der Gegend" (Abb. 4). Seit den 1920er Jahren wurde die Aussenwerbung jedoch zunehmend akzeptiert, nicht zuletzt mit dem Aufkommen einer hochwertigen Plakatgestaltung. In den USA stiess die Aussenwerbung offenbar auf wenig Widerstand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Emailwerbeschilder zunehmend durch die Plakat- und Leuchtwerbung verdrängt. Ausschlaggebend war dabei die immer kürzer werdende Marktpräsenz von Konsumgütern und schneller wechselnde Werbestrategien. Die für jahrelange Beständigkeit aufwändig hergestellten Emailplakate verloren ihre Bedeutung.
Herstellung der Emailplakate
Als Trägermaterial dienten Eisenbleche. Die von der American Rolling Mill Company (Abb. 5), Ohio, hergestellten Bleche eigneten sich aufgrund ihrer metallurgischen Zusammensetzung hervorragend zur Emaillierung und wurden auch in Europa eingesetzt. Die Bleche wurden auf das gewünschte Mass zugeschnitten. Bleche für Schilder bis im Format von ca. 40 x 60 cm wurden danach in Formpressen in eine leicht gewölbte Form gedrückt. Diese "Bombierung" diente zur Stablisierung der Schilder bei den nachfolgenden Brennvorgängen. Bei grösseren Formaten wurden die Bleche durch das Einprägen von Rillen am Rand der Bleche oder durch das Abkanten der Ränder gegen Verformungen stabilisiert.
Email ist eine Glasmasse, der als fein gemahlenes Pulver verschiedene Zusätze ("Trübungsmittel") beigegeben wurde, damit sie opak, also weiss deckend, wurde. Zur Erzeugung farbiger Emails wurden dem Pulver hitzebeständige Metalloxide beigegeben, je nach Farbton beispielsweise Eisen-, Blei-, Kadmium-, Chrom-, Zink- oder Kobaltverbindungen.
Der erste Schritt beim Emaillieren der Plakate war das Aufbringen einer Grundemailschicht auf das Blech. Diese oft Dunkelgrau wirkende Emailschicht diente grundsätzlich als Haftvermittler zwischen dem Trägerblech und den weiteren weissen und farbigen Emailschichten, bei beidseitigem Auftragen auch als Korrosionsschutz für das Blech.
Nach dem Einbrennen des Grundemails wurde ein weisses Deckemail aufgetragen. Auf diese weisse Emailschicht wurden die weiteren Farben aufgetragen, die schliesslich das Bildmotiv ergaben. Jede Farbe erforderte einen Brennvorgang. Die Schilder wurden meistens hängend in Tunnelöfen eingebrannt (Abb. 8).
Emailschilder wurden mit offenen Schablonen dekoriert. Die Schablonen wurden meistens durch Ausschneiden in weiche Metalle, wie Zink, Zinn oder Messing hergestellt, für kleinere Auflagen auch in dicke Papiere. Seit Ende der 1930er Jahre dienten auch Kunststofffolien zur Schablonenherstellung. Die Flexibilität der Schablonen war wichtig, damit sie sich der oft gewölbten Form der Schilder anpassen konnten. Beim Schneiden wurden die Schablonenteile durch stehen gelassene, Stege miteinander verbunden, beispielsweise die Innenfläche des Buchstabens "O" mit der Aussenform des Buchstabens (Abb. 6). Aus Kostengründen wurde oft versucht, die Anzahl der Schablonen und der Zwischenbrände möglichst gering zu halten.
Durch die offenen Stellen der Schablone wurde die Farbe auf das Material aufgespritzt. Diese Technik wurde jedoch nur bei Einzelstücken oder für Kleinserien eingesetzt. Meistens wurden die Schablonen in umgekehrter Weise wie beim herkömmlichen Beschriften oder Dekorieren eingesetzt. Dabei wurde die Emailfarbe in wässriger Form auf die gesamte Oberfläche der Plakates aufgespritzt. Nach dem Trocknen wurde die Schablone aufgelegt und die Emailfarbe an den offenen Stellen der Schablone durch Ausbürsten entfernt, wodurch die darunterliegende Farbschicht wieder sichtbar wurde. Die Farbe, die sich unter den "nicht druckenden" Stegen befand, musste in einem zweiten Arbeitsschritt entfernt werden, damit das Bild- oder Textmotiv vollständig wiedergegeben werden konnte (Abb. ganz oben, rechts). Bei Einzelstücken oder Kleinserien wurden die Retuschen manuell vorgenommen. In der Regel wurde jedoch eine zweite Schablone eingesetzt, deren Öffnungen sich an der Stelle der zu entfernenden Stege im Druckbild befanden. Dieses Schablonenpaar wurde in den USA als "männliche" und "weibliche" Schablonen bezeichnet, also als Schablonen, die sich gegenseitig ergänzen (Abb. 6).
Das Siebdruckverfahren wurde vermutlich erstmals in den USA bei der Emailplakatherstellung eingesetzt, dann aber fast zeitgleich mit der Verbreitung des grafischen Siebdrucks auch in Europa eingeführt. Dies dürfte den Zeitraum der späten 1920er Jahre betreffen. Die vergleichsweise späte Einführung des Siebdruckverfahrens in die Emailindustrie wurde damit begründet, dass die Herstellung geeigneter Siebdruckpasten grosse Entwicklungsarbeit benötigte. Amerikanische Fachartikel von 1934 beschrieben erstmals die Druckschablonen, die Druckgeräte und deren Einsatzmöglichkeiten. Es wurde erwähnt, dass zum Bedrucken der Emailschilder keine Seidengaze, sondern widerstandsfähigere Metallsiebe verwendet wurden. Die Schablonenherstellung erfolgte fotografisch. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die fotografische Schablonenherstellung grosse Erfahrung erfordere und es für die Emaillierwerke daher nicht sinnvoll sei, solche Schablonen selber herzustellen.
Auf der Druckplatte der Drucktische befanden sich Elektromagnete, welche die Metallschilder fixierten. Es wurde betont, dass sich das Siebdruckverfahren nur zum Dekorieren von flachen oder leicht gewölbten Schildern eigne (Abb. 7). Im Vergleich zum Dekorieren mit offenen, geschnittenen Schablonen, wies das Siebdruckverfahren eine geringere Farbschichtdicke auf. Während bei offenen Schablonen beim Brennen sich am Rand der Farbfläche die typischen und fühlbaren Farbwülste bildeten, so blieben Siebdrucke "flach". Das Siebdruckverfahren ermöglichte jedoch eine wesentliche Vereinfachung und Erhöhung der Produktion.
Glasdruck
Seit den frühen 1930er Jahren wurde das Siebdruckverfahren in den USA zum industriellen Bedrucken von Getränkeflaschen und Trinkgläsern eingesetzt (Abb. 9, 10). In der Frühzeit des Glasdrucks wurden hauptsächlich Milchflaschen bedruckt, nach dem Ende der Prohibition auch Flaschen für alkoholische Getränke. Während die Flaschen zuvor durch reliefartige Erhöhungen in der Glasoberfläche beschriftet und gebrannt wurden, so ermöglichte das Bedrucken nun eine farbliche Gestaltung, was vor allem bei Milchflaschen den Druck vom weissen Inhalt abhob. Führend war in diesem Bereich die Owens-Illinois Company, San Francisco und Chicago.
Auch hier wurde mit keramischen Schmelzfarben gedruckt und die Farbe eingebrannt. Getränkeflaschen wurden wohl noch bis in die 1970er Jahre oft im Siebdruck beschriftet, seit diesem Zeitraum jedoch fast ausschliesslich etikettiert. Im Offsetdruck hergestellte Papieretiketten boten die Möglichkeit, sie schnell an sich ändernde Werbebotschaften anpassen zu können, was bei den dauerhaft eingebrannten Beschriftungen nicht möglich war. Hinzu kam, dass der Offsetdruck wesentlich leistungsfähiger ist - bei höherer Bildauflösung - und somit den massiv steigenden Bedarf an etikettierten Wegwerfflaschen wirtschaftlicher abdecken konnte.
Heute werden noch Glaserzeugnisse wie Aschenbecher oder Kosmetikbehälter im Siebdruck dekoriert, im Flachglasbereich beispielseise Automobil-, Möbel- oder Fensterscheiben. Teilweise wurden die herkömmlichen Schmelzfarben durch UV-härtende Siebdruckfarben ersetzt.







