Die Entwicklung der gedruckten Schaltung ist eng mit dem Leben und Werk von Paul Eisler verbunden. Eisler wurde 1907 in Wien geboren. Er absolvierte an der Wiener Universität ein Studium als Ingenieur und begann sich für die Technologie des Radio zu interessieren. Radioempfangsgeräte wurden seit Beginn der 1930er Jahre zum wichtigsten Unterhaltungs- und Informationsmedium - neben der gedruckten Presse. Im zunehmend nationalsozialistisch geprägten Wien wurde Eisler aufgrund seiner jüdischen Herkunft eine Anstellung in seinem erlernen Beruf verweigert. Er arbeitete nun als Layouter bei einer Radio-Zeitschrift und begann sich für die Drucktechnik zu interessieren. Nach dem Putsch der Nationalsozialisten entschloss sich Eisler 1934, nach England zu emigrieren.
Während seines Doktorats in Wien reichte Eisler zwei Patente für elektronische Geräte ein, die es ihm nun erfolgreich ermöglichten, sich bei einer englischen Firmen zu bewerben. 1936 liess sich Eisler in London nieder, wo er begann, sich mit elektrischen Schaltkreisen zu befassen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden in den USA und in Europa in grosser Anzahl elektrische Schaltkreise für Telefon- und Telegrafengeräte hergestellt. Die elektrischen Bauteile wurden dabei in aufwändiger Handarbeit miteinander verdrahtet. In den 1920er Jahren setzte die boomende Radioindustrie ebenfalls diese Technologie ein. Eisler dachte nun über eine rationellere Fertigungstechnik nach und begann mit Metallbahnen zu experimentieren, die auf eine Bakelitplatte aufgedruckt wurden und dabei als Ersatz der Verdrahtung dienten (Abb. 1). Eisler bemerkte rückblickend, dass ihm damals seine frühere Erfahrung als Layouter und die damit verbundenen Kenntnisse der Druckverfahren sehr weiter half. Er befasste sich nun intensiv mit den verschiedenen Druckverfahren wie Buchdruck, Lithografie, Siebdruck und mit fotografischen Techniken. Schliesslich stellte er erste Leiterplatten im Siebdruckverfahren her, das ihm als Druckverfahren am geeignetsten schien.
1936 nahm er Kontakt mit dem bedeutenden Radioproduzenten Plessey auf, um seine Entwicklung zu präsentieren, blieb jedoch erfolglos. Ihm wurde entgegnet, die herkömmliche Fertigungstechnik sei vorteilhafter: "Weibliche Arbeitskräfte sind billiger und flexibler". Auch 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde Eislers Erfindung von der englischen Rüstungsindustrie nicht übernommen. 1943 reichte Eisler in London ein Patent zur gedruckten Schaltung ein, für das sich bald die amerikanische Rüstungsindustrie interessierte und die Technik in ihren Ferigungsprozess integrierte.
Offensichtlich wurde Eislers Entwicklung vertraulich behandelt - in amerikanischen Fachzeitschriften zur Siebdrucktechnik finden sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs keine Berichte zur Herstellung und den Einsatz gedruckter Schaltungen. Erst danach wurden erste Fachartikel zu dieser neuen Technologie publiziert. Nach dem Krieg fand die gedruckte Schaltung zunehmend Anwendung in Geräten der Unterhaltungselektronik und wurde weltweit im Fabrikationsprozess eingesetzt. Die Abbildung 4 zeigt Eisler mit dem ersten Radio, das mit gedruckter Schaltung hergestellt wurde. Paul Eisler starb 1992 in London.
Neben der Herstellung gedruckter Schaltungen wurde das Siebdruckverfahren im Zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Rüstungsindustrie hauptsächlich zur Herstellung von Instrumentenskalen, Beschriftungen oder Klebern eingesetzt (Abb. 2, 3). Dabei wurden Tagesleuchtfarben, Nachleuchtfarben und selbstleuchtende, radioaktive Farben eingesetzt.




